Ambulantes Selbst-Management bei Tinnitus

Dieses Konzept besteht aus eingehender Psychodiagnostik und auf den Einzelnen angepassten zum einen speziell tinnitusbezogenen zum anderen aber auch allgemein bewährten Therapieanwendungen aus der Kognitiven bzw. »Breitband«- Verhaltenstherapie, Biofeedback-Therapie, der Klinischen Hypnose und Energetischen Psychotherapie. Begleitend zu einer aktuellen ärztlichen Behandlung — aber auch gerade bei schulmedizinisch »austherapierten« Symptomen — wird der Betroffene hier verstärkt eigenverantwortlich und aktiv mit in die stets transparent gestaltete Behandlung einbezogen und somit gewissermaßen zum »eigenen Therapeuten« angeleitet. Möglichst schnell wird die Selbsthilfefähigkeit gestärkt, denn einerseits soll das bestehende Leiden gemindert werden und andererseits sollen auch im späteren Leben auftretende Probleme vom Patienten selbstständig gelöst werden können, ohne immer wieder den »Spezialisten« aufsuchen zu müssen.

Die erreichbaren Ziele des »Ambulanten Selbst-Management bei Tinnitus«:

  • eine dauerhafte Verbesserung in der Wahrnehmung (Lautheit), im Erleben (subjektive Belastung) sowie der eigenen Kontrollfähigkeit (positive Beeinflussbarkeit) der Ohrgeräusche
  • eine erhöhte Selbstkontrolle durch aktive Einflussnahme auf die eigenen körperlichen und seelischen Vorgänge (sich allgemein wieder wirksam und nicht mehr hilflos erleben), was zu stärkerer Selbstachtung und zu gesteigertem Selbstwertgefühl führt
  • Bearbeitung und Auflösung von belastenden (persönlichen, lebensgeschichtlichen aber auch familiären) Hintergrundproblemen, die oft einen maßgeblichen Einfluss auf die Tinnitussymptomatik besitzen
  • Erarbeitung eines individuellen plausiblen Erklärungsmodelles zu Entstehung und aktueller Aufrechterhaltung der Tinnitussymptomatik und der evtl. Hintergrundprobleme.
  • Gewisse Einstellungsänderung bezüglich des Tinnitus (»Akzeptanz statt Resignation«)
  • Steigerung allgemeiner Fähigkeiten zur Stressbewältigung
  • Aufbau bzw. Neulernen von Genussfähigkeit zur Steigerung der Lebensqualität, was die Aufmerksamkeitsumlenkung weg von den belastenden Ohrgeräuschen fördert

Das Vorgehen im »Ambulanten Selbst-Management bei Tinnitus«:

Im vorausgehenden psychodiagnostischen Teil steht zunächst die gezielte Untersuchung der aktuellen Auslöser und aufrechterhaltenden Bedingungen der Tinnitus-Symptomatik und der damit zusammenhängen Lebensbereiche im Vordergrund. Das Problemverhalten (gedankliche, emotionale, körperliche Reaktionsweisen und die konkreten Verhaltensmuster) wird möglichst exakt dafür z.B. mit Selbstbeobachtungsprotokollen, psychologischen Testverfahren, manchmal auch »Verhaltenserprobungen« erhoben. Hierbei wird analysiert, welche Problemmuster — aber auch welche Kompetenzmuster (Fähigkeiten) — ein Patient an welchen Punkten in seinem Leben erlernt hat und wie genau diese Muster unter welchen Bedingungen ablaufen (wie z.B. bei bestimmten Stressthemen, familiären Konflikten, beruflichen Überforderungen o.v.m.). Mit einbezogen wird auch eine ausführliche biografische Analyse zu Grunde liegender problemfördernder lern- und lebensgeschichtlicher Erfahrungen, wie z.B. traumatische oder einschneidende Lebenserereignisse, ungünstige Entwicklungsbedingungen und Persönlichkeitsveranlagungen. Diese ausführlichen Gespräche dienen nicht nur dem Therapeuten zur Therapieplanung, sondern auch dem Patienten, zu einer Einsicht in sein so und nicht anders geartetes Problem-«Verhalten« zu verhelfen. Dem Patienten soll so die »Funktionalität« seines Problems nahe gebracht werden, also welchen »Sinn« genau dieses und kein anderes Symptom für ihn ganz speziell hat. Auch wenn die »Psycho-Logik« zuverlässig zeigt, dass Symptome »im Nachhinein« individuell logisch begründbar sind, lässt sich jedoch keine wissenschaftlich bewiesene Verallgemeinerung einer »Tinnitus-Persönlichkeit« herstellen.

Die psychologische Behandlung

selbst umfasst im Anschluss daran Therapiemethoden, die hier nur im Überblick kurz vorgestellt werden können:

  • Aufklärende Information zu folgenden Themen: Aufbau des Hörorgans, Hörvorgang, Teufelskreis des Tinnitus, Stress, Hilfsmittel, Gefühle, Gedanken
  • Aufbau und Stärkung einer tragenden und vertrauensvollen Patient-Therapeut-Beziehung, um ein sicheres Milieu zur Erprobung neuer Selbstwahrnehmungs-, Erlebens- und Verhaltensweisen (emotional, Denkmuster betreffend und im mitmenschlichen Verhalten) zu ermöglichen (auch als Vorbild für dann weitere Beziehungen)
  • Vermittlung von Fähigkeiten zur Tinnitusbewältigung:

1. »maßgeschneiderte Entspannungsverfahren« (Biofeedback, Energetische Psychotherapie, Selbsthypnose, Atementspannungen, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training o.ä.)

a) zur Reduktion der erhöhten Daueranspannung

b) zur Reduktion der »Stressspitzen« direkt in Belastungssituationen

 

2. spezielle tinnitusbeeinflussende (Selbst-) Hypnosen (Die Klinische Hypnose ist besonders gut geeignet für Veränderungen auf der Ebene des autonomen Nervensystems (sensorisch: Tinnituswahrnehmung in Intensität und Qualität) und der Ebene des subjektiven Erlebens (kognitiv: tinnitusunerträgliche Einstellungen, Erinnerungen und innere Bilder). Zur Anwendung gebracht in einer umfassenderen Hypnotherapie können in der häufiger vorliegenden Hintergrundsproblematik auf kreative Weise Lösungen bzw. Erfolge bei Problemen auf der Verhaltens-, der Erlebnisverarbeitungs- und / oder der Persönlichkeitsebene erzielt werden.)

 

3. Aufmerksamkeitsumlenkung (Schulung der anderen Sinne, Genusstraining, bedürfnisorientierte Lebensführung u.a.m.)

 

4. Gedankliches »Neurahmen« (Kognitive Verhaltenstherapie zur Einstellungsveränderungen bezüglich der Ohrgeräusche und in zusammenhängenden problematischen Lebensbereichen, die durch ungünstige Denkmuster geprägt sind)

  • Allgemeine psychotherapeutische Anwendungen, die vorwiegend auf die evtl. Hintergrundproblematik des Tinnitus und persönlichen Zielsetzungen des Patienten abgestimmt sind (aus vorhergehender Psychodiagnostik):

z.B. Bewältigung von Angststörungen, Burnout, Depressionen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Aufbau von Selbstwertgefühl und von Fähigkeiten im mitmenschlichen bzw. Sozialverhalten, Aufarbeitung traumatischer Lebenserfahrungen, Vermittlung von Stressbewältigungsstrategien, Partner- oder Familienkonfliktklärung o.ä.m.

Die Dauer:

In besonders günstigen Fällen können 10 bis 15 Therapiestunden (jeweils plus selbstständiger Übungen in der Zwischenzeit) reichen, im Allgemeinen werden 30 Stunden benötigt und zunächst bei der Krankenversicherung beantragt. Bei sehr problematischen und komplexen Themen werden manchmal dann auch nach gründlicher Überlegung und Begründung, bei gutem Arbeitsbündnis 50 Stunden, in seltenen und extremen Fällen 80 Stunden und mehr benötigt. Also betragen die Zeiträume bei wöchentlichen bis 14-tägigen Sitzungen á 50 Minuten von etwa einem halben Jahr bis hin zu zwei Jahren — in Ausnahmefällen auch länger.