Biofeedback-Therapie bei Tinnitus

Gemäß mehrerer Studienergebnisse stellt Biofeedback bei chronischem Tinnitus ein nachgewiesen wirksames Behandlungsverfahren dar. Es konnte eine deutliche Abnahme in dem Belastungserleben infolge der Ohrgeräusche nachgewiesen werden. Die Erfolge sind nachhaltig und die Biofeedback-Behandlung ist nebenwirkungsfrei.

Chronischer Tinnitus geht in der Regel mit einem erhöhten Anspannungs- und Stressniveau einher. Anhaltende körperliche Verspannungen und emotionale Belastungen können zum einen Ohrgeräusche auslösen, zum anderen aber auch zur Verschlimmerung der penetranten Ohrgeräusche beitragen. (Eigene Veröffentlichungen zur näheren Information finden Sie hier.)

 

Diese psychische und muskuläre Anspannung tritt bei von Tinnitus betroffenen Menschen häufig in der Schulter-Nacken-Partie sowie in der Muskulatur der Stirn und des Kiefers auf.



 

Mit Biofeedback-Therapie ist einerseits direkt die Entspannung dieser problematischen Muskelbereiche (v.a. M. trapezius, M. frontalis oder M. masseter) zügig, hilfreich und effizient trainierbar.

 

Andererseits werden durch die Sensibilisierung infolge der feinsten und eindrucksvollen psycho-physiologischen Rückmeldung mit Hilfe des Biofeedbacks (v.a. 'EMG' und 'SCL') körperliche Zusammenhänge bzgl. eigener belastender Gedanken, Erinnerungen und Gefühle deutlich.

 

Hierduch wird dann in vielen Fällen erstmals eine psycho-somatische Krankheitseinsicht geschaffen. In einer Behandlung der Tinnitus-Problematik können dann sogar relevante psychologische Ursachen eingehender bearbeitet und Problemlösungen differenziert entwickelt werden.

 

Nachweislich steigert die Biofeedback-Behandlung das Erleben von Selbstkontrolle bei den Betroffenen - sowohl durch diese gezielte Reduktion der speziell den Tinnitus auslösenden oder intensivierenden Muskelverspannungen als auch durch diese Demonstration des seelisch-körperlichen Zusammenspieles des eigenen individuellen Stresses mit den darauf unmittelbar folgenden physiologischen Reaktionen. Die gesteigerte Selbstkontrolle führt dann üblicher Weise zu einem eindeutig messbaren ausgeprägteren Wohlbefinden und die gesamte Lebensqualität nimmt entsprechend zu.

 

Um mögliche organische Ursachen ausschließen zu können, sind diese von Ihrem Arzt vor Beginn der Biofeedback-Therapie abzuklären!

 

 

Abläufe von Biofeedback-Behandlungen bei Tinnitus

 

Stirn- oder Nacken-Entspannungstraining:
Sie sitzen in einem bequemen Entspannungssessel und Ihre Muskelspannung wird hierbei vom Nacken-Schulter-Bereich oder der Stirn mittels Elektroden gemessen. Sie sehen die Veränderungen Ihrer Muskelspannung in Form einer Linie oder anderen Grafiken am Bildschirm und hören Töne oder Musik entsprechend Ihrer Spannungsveränderungen. Das Feedback hilft dabei, den Spannungsgrad Ihrer entsprechenden Muskeln wahrzunehmen und bewusst zu reduzieren. Wenn die Muskelspannung zunimmt, steigen die Linie und der Ton an und bei Abnahme der Muskelspannung fällt die Linie ab und der Ton wird tiefer. Auf eine anschauliche Art und Weise lernen Sie dadurch, Ihre Muskulatur, die für die Ohrgeräusche verantwortlich ist, nach und nach vollkommen zu entspannen. Damit beherrschen Sie dann auch im Alltag, Tinnitus wirksam zu reduzieren oder Verschlimmerungen vorzubeugen, indem Sie die Verspannungen im Schulter-Nacken- und im Kopf-Bereich wie gelernt lösen:

 

Sympathikusreduktions-Training:

An einem Finger wird mit einer Multisensor-Manschette der elektrische Leitwert der Haut gemessen während Sie in einem bequemen Entspannungssessel sitzen. Der ermittelte Hautwiderstand stellt ein relatives Maß für die Schweißdrüsenaktivität und damit für die innere Anspannung bzw. Stressaktivität des sympathischen Nervensystems dar. Je feuchter die Haut des Finges der gemessenen Hand, desto größer der Messwert. Der veränderbare Grad Ihrer psychischen Erregung wirkt sich unmittelbar auf Ihren Hautwiderstand (sog. 'Psychogalvanischen Reflex'.) aus und wird anhand eines Kurvenverlaufes auf dem Monitor sichtbar. Schon leichteste Belastungsimpulse durch pessimistische Gedanken, negative Gefühle oder problematische Erinnerungen lassen durch Schweißproduktion die Kurve ansteigen. Hingegen geistige und körperliche Entspannung lassen durch die gesenkte Schweißproduktion die Kurve unmittelbar abfallen. Entspannung fördernde Filme und Musik unterstützen das Sympathikus-Senkungs-Training. Sie können darüber hinaus auch als Zielschwellen eingerichtet werden, d.h. sowohl der Naturfilm als auch die Entspannungsmusik beginnen erst zu laufen, wenn eine vorher benannte Entspannungsschwelle erreicht wird. Das Ansehen des Filmes oder das Hören der Musik ist dann eine Art Belohnung des absolvierten Schrittes der Entspannung und fördert den Senkungsprozess des Sympathikus (sog. 'operante Konditionierung'):