Biofeedback-Therapie bei Bluthochdruck

Studien zur Biofeedback-Therapie bei Bluthochdruck zeigen gute Erfolge. Eine nebenwirkungsfreie bedeutende Reduktion des Blutdrucks bis zu 25 mmHg systolisch und 17 mmHg diastolisch konnte nachgewiesen werden. In Absprache mit dem Hausarzt oder Internisten können oft sogar die Medikamente dauerhaft reduziert werden.

 

Für Blutdruck sind vor allem zwei physiologische Funktionen wesentlich: Zum einen die Elastizität und Weite der Blutgefäße (sogenannter „peripherer Widerstand") und zum anderen die Herzfrequenz und Blutmenge (sogenanntes „Herzzeitvolumen"), denn je enger die Gefäße sind und je kräftiger das Herz schlägt, umso höher ist der Blutdruck. Blutdruckwerte von 120/80 mmHg werden medizinisch als optimal bzw. gesund angesehen. Die Diagnose „Bluthochdruck" bezeichnet einen ständig erhöhten Blutdruck über einem systolischen Wert von 140 und diastolischen Wert 90mmHg (also einen sogenannten Blutdruck ab "140 zu 90"). Weil Patienten mit Bluthochdruck kaum Beschwerden wahrnehmen, wird er oft lange nicht erkannt und die Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden sind dadurch aber deutlich erhöht. Bei ungefähr 95% aller Bluthochruck-Patienten besteht keine organischen Ursache (sogenannte „essentielle Hypertonie").

Bei der Entstehung spielen neben einer Veranlagung vor allem Stress (d. h. emotionale Belastungen - hier steht besonders der chronische Ärger im Verdacht) eine wichtige Rolle. Der Stress führt zu erhöhter Herzfrequenz, Blutdruckschwankungen und Erhöhung des peripheren Widerstandes (Gefäßengstellung). Nach einiger Zeit bleibt auf Grund einer Regelverstellung der erhöhte Blutdruck bestehen, selbst wenn kein Stress mehr vorhanden ist. Zusätzlich zu Stress spielt ein ungesunder Lebensstil mit zu wenig Bewegung, falscher Ernährung (v.a. zu viel Salz), Rauchen und zu viel Alkoholtrinken eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Bluthochdruck.

 

Das angestrebte Ziel der Biofeedback-Behandlung bei essentieller Hypertonie ist zum einen die Verringerung des peripheren Widerstandes durch die willentliche Erhöhung der Durchblutung ('Handerwärmungstraining'). Zum anderen wird eine allgemeine Entspannung des Herz-Kreislauf-Systems mit vertiefter Bauchatmung und Pulsfrequenzsenkung angestrebt ('Herzratenvariabilitäts- bzw. RSA-Training'). Da sowohl die Handtemperatur als auch die Entspannung des Herz-Kreislauf-Systems nur ungenau wahrgenommen werden, ist deren Rückmeldung für die effektive Selbstbeeinflussung wesentlich. Die Biofeedback-Therapie ist hierbei nur vorüber gehend für das Wahrnehmungs- und Entspannungstraining wichtig und betont Ihre aktive Mitarbeit und Bereitschaft, das Erlernte auch im Alltag selbstständig weiter fortzuführen. Erfolge werden sogar noch weiter erhöht, wenn Sie einen gesünderen Lebensstil wählen mit regelmäßigem Konditionssport, ausgewogene und salzreduzierter Ernährung, Reduzierung von Alkoholgenuss, Aufgeben des Rauchens und Entspannungsübungen.

 

 

Seltene organische Ursachen ("organische Hypertonie") müssen vom Arzt vor Beginn der Biofeedback-Therapie abgeklärt werden.

 

 

Abläufe von Biofeedback-Behandlungen bei Bluthochdruck

 

Handerwärmungstraining:
Sie sitzen in einem bequemen Entspannungssessel und blicken auf einen Bildschirm. Durch das Handerwärmungstraining lernen Sie, über die willentlich nach und nach herbeigeführte Steigerung der Durchblutung Ihrer Hände Ihr Herz-Kreislauf-System zu beruhigen. Über einen Temperatursensor an einem Ihrer Finger wird die Temperatur gemessen und Ihnen an dem Bildschirm in Form eines farbigen "Regenbogenweges" rückgemeldet (von dunkelblauen über grünen und gelben  bis dunkelroten Teilstrecken mit Bögen). Je wärmer Ihre Hand wird (in Richtung roter Bereich), umso besser ist die Durchblutung, die Ihre verbesserte Entspannung anzeigt. Verschiedene Strategien (z.B. durch die Vorstellung Ihrer Hände vor einem angenehmen Kaminfeuer oder durch die Wärme-Suggestionen des autogenen Trainings „Meine Arme und Hände werden warm - angenehm warm.") helfen dabei. Das Feedback zeigt Ihnen unmittelbar an, wie effektiv Ihre ausprobierten einzelnen Strategien für Sie sind:

 

Herzratenvariabilitäts-Training (auch RSA-Training genannt):
Ein gesundes Herz schlägt unregelmäßig. Es bestehen kleine - üblicher Weise nicht spürbare - Veränderungen des Herzschlages in Anpassung an den Atemrhythmus: Beim Einatmen schlägt das Herz etwas schneller und beim Ausatmen etwas langsamer. Diese natürliche Schwankung des Pulses heißt "Respiratorische Sinusarrhythmie" ('RSA') und der Grad dieser RSA heißt wiederum "Herzratenvariabilität" ('HRV'). Eine ausgeprägte Herzratenvariabilität steht nachweislich in engem Zusammenhang mit diversen Gesundungsprozessen: Reduzierung stressabhängiger funktioneller Störungen wie Bluthochdruck, chronische Erschöpfung oder Asthma-Symptomatik, Steigerung von Gelassenheit, Verbesserung  physischer wie psychischer Höchstleistungsfähigkeit und Abbau von sowohl Depressionen als auch Ängsten. Bei diesem Herzratenvariabilitäts-Training lernen Sie, Ihre bildlich dargestellte Atmemkurve und Ihre Pulskurve anzugleichen. Die Rückmeldung Ihrer  Bauchatmung und Pulsfrequenz am Bildschirm hilft Ihnen dabei, den richtigen Rhythmus zu finden. Je ausgeprägter und ruhiger der Rhythmus Ihrer Bauchatmung dabei wird, umso größer sind die gesunden Schwankungen Ihrer Pulsfrequenz. Sie können daher lernen Ihre Herzratenvariabilität über Biofeedback-Therapie zu erhöhen und so zum einen die Gesundheit Ihres Herz- Kreislaufsystems als zum anderen auch Ihre allgemeine Stressbewältigungskompetenz zu verbessern. Je ausgeprägter diese Pulsfrequenz-Schwankungen durch Ihr Training werden, desto entspannter wird dabei Ihr Herz-Kreislauf-System und Sie senken somit Ihren zu hohen Blutdruck: