Kognitive Verhaltenstherapie

In der Kognitiven Verhaltenstherapie werden psychologische Verfahren angewandt, die auf den psychologischen Lerngesetzen basieren, ergänzt durch weitere wirksamkeitserwiesene Befunde anderer Forschungsbereiche wie der Physiologie, Sozialpsychologie und Verhaltensbiologie. Symptomatiken werden als fehlangepasste Verhaltensweisen verstanden. Dieses Problemverhalten entsteht durch ungünstige Lernerfahrungen in der weiteren oder näheren Vergangenheit.

 

Den Begriff »Verhalten« versteht man sehr breitgefasst. Neben dem äußerlich sichtbaren Verhalten zählt auch das Denken (»Kognitionen«: Einstellungen, Bewertungen, Überzeugungen, innerliche Sprache mit sich Selbst o. ä.), das Fühlen und physiologische Körperreaktionen dazu. Auf diesen vier Ebenen können ungünstiges Verhalten oder fehlende Fähigkeiten zum Problem führen, dass der Patient in der Therapie bewältigen will. So können beispielsweise bei der Depression Rückzugsverhalten, ungünstige und pessimistische Denkweisen, Gefühle allgemeiner Wertlosigkeit sowie höhere Ermüdung auftreten.

 

Die Einflüsse der jeweils persönlichen Lernerfahrungen in der Biografie und im aktuellen Leben, die zu dem Problemverhalten führen, werden zu Beginn der Therapie gemeinsam mit dem Patienten in einer Verhaltensanalyse individuell betrachtet. Hieraus entstehen Erkenntnisse darüber, was die Symptomatik auslöst und aufrechterhält sowie welche Hintergrundprobleme und belastenden äußeren Umwelteinflüsse eventuell vorliegen und das Problemverhalten verstärken. Im Falle der Depression wäre Folgendes hierzu denkbar: Ausgelöst wird die Depression durch eine Trennung des Partners. Hierdurch wird eine frühere psychisch unverarbeitete stark belastende Trennungssituation wieder aktiviert. Aufrechterhalten wird die Depression, weil der Betroffene mehr Zuwendung von Freunden erhält und somit nicht einsam ist. Als Hintergrundproblem steht vielleicht die mangelnde Fähigkeit selbstständig in Kontakt mit einer neuen Partnerin oder Freunden zu gelangen auf Grund seiner sozialen Ängste. Da der Betroffene beruflich seit langem stark überfordert ist (Umwelt), bricht er nun durch diesen privaten Stress erschöpft depressiv zusammen.

 

Dr. Axel Schildt

Solche Erkenntnisse und die jeweils persönlichen einzelnen Therapieziele führen dann zur Therapiegestaltung. Die dann angewandten therapeutischen Methoden erwirken einen Abbau fehlangepassten und defizitären Verhaltens und einen Aufbau angemessenen Verhaltens. Diese Lernvorgänge erfordern eine aktive Mitarbeit des Patienten bei diesem Veränderungsprozess. Für eine erfolgreiche Therapie sind neben den Erkenntnissen aus den therapeutischen Gesprächen praktische Veränderungen im Verhalten unverzichtbar. Um eine Übertragung der Therapieeffekte in den Alltag zu erreichen, sind Ausführungen von Übungen zwischen den Therapiesitzungen notwendig.

 

In der Kognitiven Verhaltenstherapie lernt man, wieder aktiv mehr Einfluss oder Kontrolle über sich selbst und das Problemverhalten zu gewinnen sowie die weitere Lebensführung gemäß der eigenen realistischen Zielsetzungen zu gestalten. Da diese Psychotherapie sehr durchsichtig und anschaulich für den Patienten durchgeführt wird, fällt ihm diese in den Vordergrund gestellte Hilfe zur Selbsthilfe auch in der Zukunft bei anderen möglichen Problemen leicht, eigenständig anzuwenden. 



In aktuellen Weiterentwicklungen der Verhaltenstherapie nähert sich dieses Psychotherapieverfahren mit dem wissenschaftlich hohen Anspruch nun auch sehr komplexen Phänomenen des menschlichen Verhaltens, die ihr bisher mit der Verfolgung von Prinzipien der psychologischen Lerngesetze und den Modellen der kognitiven Informationsverarbeitung nur schwer zugänglich waren:

 

Es werden zum einen nun Weisheitskompetenzen und Werteorientierungen östlicher, antiker und christlicher Philosophien in das Behandlungskonzept zur Problembewältigung und Emotionsregulierung integriert: Achtsamkeit, meditative Kontemplation, Akzeptanz, Spiritualität, Werthaltungen u.ä.m.

 

Zum anderen werden mitlerweile weitere psychotherapeutische Ansätze aus tiefenpsychologisch fundierten, interpersonellen, gestalttherapeutischen und anderen humanistischen Psychotherapieformen als auch sozialpsychologisches und persönlichkeitspsychologisches Wissen in das verhaltenstherapeutische Vorgehen systematisch eingebunden, um den Anforderungen der unterschiedlichsten von den Patienten gezeigten komplexen Störungsbildern in der Praxis therapeutisch "maßgeschneidert" gerecht werden zu können.



(Die Verhaltenstherapie gilt als »Richtlinienverfahren«. Durch diesen gesetzlichen Status werden die Kosten in der Regel anstandslos von den privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen.)