Klinische Hypnose

Die Klinische Hypnose ist von der unseriösen Showhypnose abzugrenzen. Hypnose ist eine der ältesten Behandlungsformen mit wirklich äußerst vielfacher wissenschaftlicher Bestätigung und nicht, wie es uns die Showhypnose mit ihren Tricks weiß machen will, ein Schaubudenzauber. Schon in der Antike sprach man von der ernst zu nehmenden Hypnose, die »Tempelschlaf« genannt wurde.

 

Die Klinische Hypnose ist nichts weiter als eine Art »Gebrauchsanleitung« für das Entwickeln eines persönlichen Trancezustandes. Und die Trance ist eine Alltagserscheinung, die wirklich jeder mehrmals täglich erfährt. Die Aufmerksamkeit ist »gebündelt« auf das innere Erleben gerichtet und alles was diese Konzentration nicht erfasst, tritt in den Erlebnishintergrund. So spricht Sie beispielsweise jemand mehrmals an, bis Sie reagieren und sagen: »Oh, ich war gerade mit den Gedanken ganz woanders! « (Vielleicht beim Picknick am letzten Sonntag?). Vielleicht haben Sie auch schon einmal erlebt, dass Schmerzen bei einem spannenden Spielfilm gar nicht mehr gespürt werden. Oder morgens beim Zähneputzen durchplanen Sie vor Ihrem inneren Auge den ganzen Tag und wundern sich, dass Sie mit dem Zähneputzen so schnell fertig geworden sind. Das dieses innere Erleben auch körperliche Auswirkungen zeigen kann, mag ihnen unter anderem vielleicht durch eigene sexuelle Fantasien bekannt sein.

 

Trance ist ein alltäglicher aber auch durch die Hypnose gezielt einsetzbarer aktiver Prozess unbewussten Lernens. Denn Trance ist ein Bewusstseinszustand, in dem der Mensch besonders aufgeschlossen ist für Veränderungen und Lernprozesse. Die Trance ermöglicht dem »Unbewussten« übliche Vermittlungsprozesse des bewussten Denkens zu umgehen. Das Unbewusste umfasst also Hirnfunktionen, die außerhalb des Gewahrwerdens des Menschen liegen und zu denen das weite Gebiet der Informationsverarbeitung, der Speicherung und des Abrufs, sowie erlernter nervlich-muskulärer Reaktionen und physiologischer Mechanismen der Selbststeuerung gehören. Man könnte das Unbewusste als »weiser« ansehen als den bewussten Verstand. Daher haben Sie im Trancezustand die Möglichkeit, leichter ihre eigenen Lösungen der Probleme zu finden, weil Sie Ihren Emotionen, Bedürfnissen und Befürchtungen näher kommen können, als dieses im Alltagsbewusstsein gelingt. Zudem setzt der Trancezustand allein schon Tendenzen zur körperlichen und seelischen Selbstheilung in Gang.

 

Dr. Axel Schildt

Die Klinische Hypnose ist gegenüber anderen Therapieverfahren zum einen besonders gut geeignet für Veränderungen auf der Ebene des autonomen Nervensystems. So kann sie für viele Betroffene einen gewissen Wandel in der Intensität und Qualität der Schmerz- oder Tinnituswahrnehmung leisten. Zum anderen vermag die Klinische Hypnose in der inneren Vorstellung auf kreative Art und Weise zu Veränderungen auf der Ebene des eigenen Erlebens verhelfen. So können beispielsweise Betroffene ihre gedanklich den Schmerz oder Tinnitus betreffenden unerträglichen Einstellungen hinterfragen und eine zunehmend akzeptierende Haltung gegenüber dem Schmerz oder Ohrgeräusch aufzubauen lernen. Bei einer vorliegenden Hintergrundproblematik kann die Klinische Hypnose eingebunden in eine umfassendere Psychotherapie auf besonders »hirngerechte« Weise Erfolge bei Problemen auf der Verhaltens-, der Erlebnisverarbeitungs- und/oder der individuellen Persönlichkeitsebene erzielen.

 

Da es in der modernen Klinische Hypnose nicht mehr darauf ankommt, besonders »weit wegzutreten«, ist die »Hypnotisierbarkeit« des Einzelnen dabei nicht wichtig. Wer zum Tagträumen oder Träumen fähig ist, kann natürlich auch (Selbst-) Hypnose erfolgreich anwenden. Psychotherapeutisch verwende ich bevorzugt die modernen Hypnoseverfahren nach Milton Erickson und David Cheek / Leslie LeCron.



(Die Kosten für diese Hypnosetherapieformen werden von gesetzlichen Krankenversicherungen leider nicht übernommen.)